Wormser Missale 1522

Bild: Stadtarchiv Worms

Handgeschriebene liturgische Bücher waren bis zur Erfindung des Buchdrucks erforderlich, um die in reicher Ausgestaltung vorhandene Liturgie in der rechten Art und Weise feiern zu können. In Worms gab es im Mittelalter wenigstens eine Zeitlang Skriptorien (Schreibstuben) im Domstift und im Kloster Kirschgarten.

Aus dem 8. Jahrhundert ist so z.B. in der Bibliotheca Palatina (Cod. Pal.Lat.67)ein Buch der Psalmen und Psalmenkommentar erhalten geblieben und aus dem 10. Jahrhundert ein mit Miniaturen geschmücktes Wormser Messbuch in der Arsenalbibliothek in Paris.

Die Erfindung der Buchdrucks bewirkte, dass nicht mehr handgeschriebene Messbücher vom Priester bei der Feier der heiligen Messe verwendet wurden, sondern der Bischof erteilte Druckaufträge, um die 255 Pfarreien des gesamten Bistums mit modernen Messbüchern auszustatten.

So beauftragte Bischof Johann von Dalberg (1482-1503), den wir vollplastisch in dem von ihm gestifteten Relief der Wurzel Jesse im Wormser Dom dargestellt finden, den Baseler Drucker Michael Wenssler mit dem Druck eines Wormser Missale. Der Druckauftrag wurde 1488 ausgeführt.(Hermann Reifenberg, Handbuch der Mainzer Kirchengeschichte 3. Neuzeit und Moderne, § 20 Liturgie – Gottesdienstliches Leben S. 759 Anm. 17)

Dem in Darmstadt erhaltenen Exemplar dieses Messbuchs, 1889 aus Wimpfen erworben, fehlt das Titelblatt. Der gesamte Inhalt ist Seite für Seite digital über das Internet abrufbar.

Das nur 33 Jahre später, im Jahre 1522 gedruckte Missale secundum ritum et observantiam Ecclesie et Dioecesis Wormatiensis stammt aus der Druckerwerkstatt des Peter Drach III. in Speyer (VD 16, M 5638). Es umfasst 373 Blätter und mehrere Illustrationen des Straßburger Malers Erhard Schlitzoc.

Auf dem Titelblatt kniet in vollem Ornat mit Mitra und Stab der Wormser Bischof Reinhard von Rüppurr (1503-1523), kenntlich am Wappen des Bistums mit Schlüsseln und Rauten und dem Wappen der Adelsfamilie der Pfau von Rüppurr, einem doppelten Schlüssel, vor dem mit dem Heiligenschein umstrahlten Dom-, Stadt- und Bistums-Patron St. Petrus. Im Hintergrund, gleichsam auf Wolken, neben dem Nimbus des heiligen Petrus, ist der Wormser Dom in Ansicht von Südwesten dargestellt.

Abgebildet ist dieses Titelblatt in: Köstlin, Julius; Herrmann, Fritz, Luther-Bibliothek des Paulus-Museums der Stadt Worms, 2. Auflage Darmstadt 1922 S. XII mit bibliographischen Angaben S. 3 unter Nr. 4a, sowie bei Keilmann, Burkard, Reformation und Glaubenskampf, in: Jürgensmeier, Friedhelm (Hg.) Das Bistum Worms. Von der Römerzeit bis zur Auflösung 1801, Würzburg 1997 S. 161. Die Martinusbibliothek Mainz hält eine farbige Faltkarte zum Verkauf bereit.